Rechnen, Schätzen, an den Fingern abzählen

Manchmal hat man in der Ahnenforschung den Namen eines Vorfahren, aber es lassen sich keinerlei Daten zu ihm finden. Dann ist man gefordert, diese Daten abzuschätzen. Schätzen kann man leicht, aber das Ergebnis sollte man einigermaßen begründen können.

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Nehmen wir einmal an, für ein Paar, dessen Heiratsdatum wir nicht kennen, sind im Kirchenbuch Geburten von Kindern eingetragen. Nehmen wir weiter den einfachen Fall an, dass sich die Geburten über einen Zeitraum von mindestens 10 bis 15 Jahre erstrecken. Damit haben wir eine günstige Ausgangslage für die Schätzung des Hochzeitdatums. In der Regel liegt dieses im Jahr der Geburt des ersten Kindes oder wenige Jahre davor.

Unter diesen Bedingungen können wir sogar ein ungefähres Geburtsjahr annehmen. Das habe ich für meinen bisher frühesten Ahnherrn, Georg Altvatter, und seiner Frau gemacht. Mir ist zwar nur der Vorname der Frau bekannt. Den Nachnamen konnte ich bislang nicht entziffern, aber es ist bei allen Geburten der sechs dokumentierten Kinder zwischen 1602 und 1616 immer der selbe. Somit ist gesichert, dass es sich immer auch um das selbe Elternpaar handelt.

Also schätze ich das Jahr der Heirat für das Paar Georg Altvatter und Anna NN etwa auf das Jahr 1600 und die Geburt der beiden auf etwa 1577. Eine spätere Geburt, zumindest für Georg, ist eher unwahrscheinlich, da die Grundherrschaft von Ochsenhausen damals nur gestandenen Männern mit gesichertem Lebensunterhalt die Ehe erlaubte. Meine Vorfahren waren Leibeigene und in diesen Dingen abhängig von Entscheidungen des Klosters Ochsenhausen, das ja in der Vergabe von Arbeit in Form von Bauernhöfen und Handwerksbetrieben sozusagen auch Arbeitgeber war.

In den Fällen, in denen nur wenige Kinder in kurzen Zeitabständen geboren werden und keine anderen Quellen zur Verfügung stehen, werden Schätzungen immer unpräziser. Wir wissen ja nicht, ob das Elternpaar viele oder wenige Jahre vor der Geburt des ersten Kindes geheiratet hat. Auch können sie aus ihrem Wohnort weg gezogen sein. In diesen Fällen sollten wir Schätzungen einfach unterlassen und auf weitere belegbare Hinweise mit Quellen warten.

Schwer wird eine Schätzung bei Todesdaten. Ich habe mich häufig genug verleiten lassen, mit vermeintlichen durchschnittlichen Lebenserwartungen zu schätzen. Das ist aber durch eine hohe Kindersterblichkeit in vergangenen Jahrhunderten nicht einfach zu handhaben. Wenn ein Kind das Erwachsenenalter erreicht hatte, waren seine Chancen gut, ein gesegnetes Alter zu erreichen. Genau so gab es aber Krankheiten und Unfälle, die bei moderner Medizin nicht mehr den Tod zur Folge haben, damals aber schon.

Einen Teil meiner Schätzungen von Todesdaten kann ich zumindest für die Jahre ab 1808 bis 1875 konkretisieren. Wie im voran gegangenen Artikel schon vermerkt, sind die katholischen Kirchenbücher Württembergs für diesen Zeitraum online einsehbar. Für die kommenden dunklen und kalten Abende habe ich also zu tun.

Mit nicht immer exakten Grüßen
euer Micha


Calculating, Estimating,
Counting on your Fingers

Sometimes in genealogical research one has the name of an ancestor, but no data can be found about him. Then one is challenged to estimate these data. It is easy to estimate, but you should be able to justify the result to some extent.

Let us assume that for a couple whose marriage date we do not know, births of children are recorded in the church register. Let us also assume the simple case that the births take place over a period of at least 10 to 15 years. This gives us a favourable starting point for estimating the date of marriage. This is usually in the year of the birth of the first child or a few years before.

Under these conditions we can even assume an approximate year of birth. I did this for my earliest ancestor, Georg Altvatter, and his wife. I only know the first name of the wife. So far I could not decipher the surname, but it is always the same for all births of the six documented children between 1602 and 1616. This ensures that the parents are always the same.

So I estimate the year of marriage for the couple Georg Altvatter and Anna NN to be about 1600 and the birth of the two to be about 1577. A later birth, at least for Georg, is rather unlikely, because the manor of Ochsenhausen at that time only allowed confessed men with a secure livelihood to marry. My ancestors were serfs and in these matters they were dependent on decisions of the Ochsenhausen monastery, which was also an employer, so to speak, in the form of farms and craftsmen’s workshops.

In cases where only a few children are born at short intervals and no other sources are available, estimates become increasingly imprecise. After all, we do not know whether the parents got married many or few years before the birth of the first child. They may also have moved away from their place of residence. In these cases, we should simply refrain from making estimates and wait for further verifiable evidence from sources.

It is difficult to make an estimate with death dates. I have often enough been tempted to make estimates with supposed average life expectancies. However, this is not easy to handle due to the high infant mortality rate in past centuries. When a child reached adulthood, its chances of reaching a blessed age were good. But just as there were diseases and accidents that no longer cause death in modern medicine, back then they did.

I can concretise some of my estimates of death dates at least for the years from 1808 to 1875. As already noted in the previous article, the Catholic church records of Württemberg for this period can be viewed online. So I have work to do for the coming dark and cold evenings.

With not always exact greetings
your Micha