Kirchenbücher zu Ende, und nun?

Gestern ging ich gerade mal eine Generation zu meinem Vater zurück. Die Erkenntnis, dass mein Großvater nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, führt mich wieder zu meinem Familiennamen, der über meine Großmutter väterlicherseits in die Vergangenheit führt.

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Heute gibt es einen Sprung von zwölf Generationen in die Vergangenheit, von mir aus als erste Generation gezählt. Es gibt keine Kirchenbücher mehr, aus denen ich weitere Informationen gewinnen könnte. Wir befinden uns im Herrschaftsbereich der ehemaligen Reichsabtei Ochsenhausen. Die Geburtsregister beginnen mit dem Jahr 1600, die Eheregister ab etwa 1610 und die Sterberegister um etwa 1630. Wie schon in einem anderen Artikel vermerkt, habe ich diese Grenzen bereits erreicht.

Man könnten nun sagen, lass gut sein. Aber im Sommer 2014 machte ich die Bekanntschaft einer örtlichen Heimatforscherin, deren Quellen zu einer Schrift, die ich leider nicht mehr auftreiben konnte, auch mich möglicherweise weiter bringen. Es handelt sich dabei um die Leiblehen- und Erblehenverzeichnisse der Abtei Ochsenhausen und diese können im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart eingesehen werden.

Die Online-Suche danach in den Beständen des Archivs gestaltete sich für mich schwierig, da die Begriffe, die ich hier erwähne, mir noch nicht geläufig waren. Erfolg brachte die Suche nach “neuwürttembergische Lagerbücher”. Dazu sollte man vorher darüber stolpern, dass Württemberg in seinen heutigen Grenzen erst in den Jahren 1803 bis 1810 gebildet wurde. Davor war Württemberg ein Herzogtum, das sich grob betrachtet nördlich der Donau befand. Im Süden gab es einen ausgedehnten Flickenteppich von geistlichen und weltlichen Herrschaften, wozu auch die Abtei Ochsenhausen gehörte, sowie die österreichischen Vorlande, salopp auch Vorderösterreich genannt. Ein jedes davon führte natürlich seine eigenen für die Verwaltung erforderlichen Dokumente und archivierte sie. Diese Gebiete wurden dann dem von Napoleon neu geschaffenen Königreich Württemberg zugeschlagen. Die südlichen Gebiete wurden in der Folge einfach Neuwürttemberg genannt und die Aktenbestände, die an die königliche Regierung abgegeben wurden, segeln seither in den Archiven unter dieser Flagge.

Die online verfügbaren Angaben zu den Beständen sind sehr summarisch, aber mit den Angaben dazu kann man sich vor Ort die Findbücher geben lassen und man wird in der Tat fündig. Sauber aufgeschlüsselt konnte ich bei allen für mich relevanten Orten die Signaturen der Dokumente heraus suchen und mir die Originalbücher zu den Fundstellen aushändigen lassen. Ich erhielt zwei großformatige Folianten, in denen ich zielgerichtet die mir wichtigen Seiten ansteuern konnte.

Nach der Devise, lieber einmal mehr kopiert, als nochmal ins Archiv zu gehen, hatte ich mir Scans bestellt, die mir als pdf-Dateien ein paar Tage später zugestellt wurden. Aber schon im Lesesaal konnte ich feststellen, dass es zwei Familien Altvatter auf zwei verschiedenen Höfen in Hirschbronn gab. Das erklärt im Nachhinein meine Schwierigkeiten bei der Zuordnung diverser Personen aus den Angaben der Kirchenbücher. Leider fehlt mir noch mindestens eine Person, um diese beiden Familien zusammen zu führen. Eine Verwandtschaft ist naheliegend.

Die schon im oben verlinkten Artikel aufgeführte Anna NN, also meine Urahnin, die etwa 1575 geboren wurde, hat mit Hilfe der Lehenverzeichnisse den Nachnamen Henckhler erhalten. Die Dokumente waren in einer wunderbar lesbaren Handschrift geschrieben, ganz im Gegensatz zu den Einträgen im Taufregister für die Kinder des Paares Georg Altvatter und Anna Henckhlerin. Mein Unvermögen, den Namen zu entziffern, kann aber auch an der aus heutiger Sicht ungewöhnlichen Schreibweise in der Mitte des Namens liegen.

Ein weiteres Ergebnis ist die Manumission (Entlassung aus der Leibeigenschaft) der Rosina Fink und ihr Wegzug aus dem Herrschaftsbereich Ochsenhausen. Sie begab sich in die Herrschaft der Abtei Rot an der Rot und heiratete dort Aurel Altvater, ansässig im Teilort Mettenberg. Aurels Vater ist zu seiner Zeit ebenfalls aus dem Ochsenhausener Gebiet weggezogen. Dessen Manumission habe ich bislang leider nicht gefunden. Aus den Kirchenbüchern von Rot waren mir die Eltern von Rosina bereits bekannt. Aber es gibt in den Lehenverzeichnisse Hinweise auf ihre Großeltern, die eine gezielte Suche in den Kirchenbüchern erlauben. Immerhin ist Rosina auch eine direkte Vorfahrin und dann lohnt sich das Weitermachen.

Mit fortschreitenden Grüßen
Euer Micha


Church records over, and now what?

Yesterday I went back just one generation to my father. The realisation that my grandfather cannot be identified beyond any doubt leads me back to my family name, which leads into the past via my paternal grandmother.

Today, there is a leap of twelve generations into the past, counted as the first generation for me. There are no longer any church registers from which I could obtain further information. We are in the domain of the former Imperial Abbey Ochsenhausen. The birth registers begin with the year 1600, the marriage registers from about 1610 and the death registers from about 1630. As already noted in another article, I have already reached these limits.

One could now say, let it go. But in the summer of 2014 I made the acquaintance of a local historian, whose sources for a written article, which I unfortunately could not find, might also help me. These are the loan and inheritance loan registers of Ochsenhausen Abbey and these can be viewed in the Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.

The online search for it in the archives proved to be difficult for me, as I was not yet familiar with the terms I am mentioning here. The search for “neuwürttembergische Lagerbücher” was successful. In addition, one should stumble upon the fact that Württemberg in its present borders was founded in the years 1803 to 1810. Before that, Württemberg was a duchy that, roughly speaking, was located north of the River Danube. In the south there was an extensive patchwork of clerical and secular dominions, including Ochsenhausen Abbey, and the Austrian foreland, casually known as Vorderösterreich. Each of these of course kept and archived its own documents necessary for administration. These territories were then assigned to the Kingdom of Württemberg, which was newly created by Napoleon. The southern territories were subsequently simply called Neuwürttemberg and the records that were handed over to the royal government have since sailed under this flag in the archives.

The information available online about the stocks is very summary, but with the details you can get the finding aids on the spot and you will indeed find what you are looking for. I was able to find the signatures of the documents at all relevant locations and have the original books on the sites handed over to me. I received two large-format folios in which I was able to navigate straight to the pages that were important to me.

According to the motto, better to copy once more rather than going back to the archive, I had ordered scans which were sent to me as pdf files a few days later. But already in the reading room I could see that there were two families of Altvatters on two different farms in Hirschbronn. In retrospect, this explains my difficulties in assigning various persons from the information in the church records. Unfortunately, I still lack at least one person to bring these two families together. A relationship is obvious.

Anna NN, my ancestor, who was born around 1575, was already mentioned in the article linked above. With the help of the fiefdom directories she received the surname Henckhler. The documents were written in a wonderfully legible handwriting, quite in contrast to the entries in the baptismal register for the children of the couple Georg Altvatter and Anna Henckhlerin. My inability to decipher the name may also be due to the unusual spelling in the middle of the name, which is not common today.

Another result is the manumission (release from serfdom) of Rosina Fink and her departure from the Ochsenhausen dominion. She went to the dominion of the Rot an der Rot Abbey and married Aurel Altvater, who lived in the village of Mettenberg. Aurel’s father also moved away from the Ochsenhausen area at his time. Unfortunately I have not yet found his manumission. I already knew Rosina’s parents from the church records of Rot. But there are references to her grandparents in the fiefdom directories, which allow a targeted search in the church books. After all, Rosina is also a direct ancestor, and then it is worth continuing.

With progressive greetings
Your Micha