Grünes Laub!

Oder doch nur Fallobst?

Joannes Altvatter wurde am 30. Mai 1691 in Hirschbronn als Sohn von Martin Altvatter und Maria Eppin geboren. Es gibt einen speziellen Grund, warum Joannes Altvatter hier besonders ausführlich beschrieben wird. Er ist Bestandteil meines öffentlich zugänglichen und verkürzten Stammbaums auf dem kommerziellen Portal von Ancestry.

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Ancestry teilt uns durch Hinweise in Form eines grünen Blattes mit, wenn in anderen Stammbäumen eine ähnliche Person erscheint. Das nennt Ancestry ein „Match“, was auf deutsch mit Übereinstimmung übersetzt werden kann. Der Begriff „Match“ ist sehr weit gefasst und erfordert nicht einmal die Übereinstimmung der Lebensdaten einer gematchten Person. Für das Marketing von Ancestry ist das sicher von Vorteil, denn je häufiger „Übereinstimmungen“ angezeigt werden, desto besser vermutlich die Kundenbindung.

Immerhin haben mich die grünen Blättchen im Jahr 2017 darüber informiert, dass jemand Mist über den Lebensweg von Joannes Altvatter geschrieben hat. Und dieser Mist verbreitet sich nun weltweit in den beiden nach eigener Aussage größten Portalen für Ahnenforscher dieses Planeten. Man kann ja den Name des zweiten Portals, MyHeritage, ohne Weiteres nennen. Es liegt natürlich nicht in der Verantwortung der Betreiber, für korrekte Daten zu sorgen. Jeder Nutzer sollte das grüne Laub vor dem Hintergrund der Ziele eines Unternehmens mit Gewinnerzielungsabsicht kritisch selbst überprüfen.

Um konkret zu werden, das grüne Blättchen hat mich auf einen Benutzer von Ancestry, der dem Joannes einen Sohn namens Johann „John“ Frederick Altvater angedichtet hat. Dieser John wurde scheinbar um 1720 in Berlin (Deutschland) geboren und starb gegen 1800 in Berlin (Pennsylvania, USA). Ein freundliches Anschreiben mit dem Hinweis, dass dies ziemlich unwahrscheinlich sei, blieb ohne Reaktion. Etwa zwei Wochen später hatten sich weitere Nutzer diesen Fake Stammbaum zu eigen gemacht.

Nachdem ich die weiter unten beschriebenen Tatsachen recherchiert habe, setzte ich ein Dokument auf und hinterlegte dieses als Quelle zum nachlesen bei meinem Joannes. Daraufhin verschwand der Fake Zweig bei den anderen Benutzern sang- und klanglos. Ziel erreicht, könnten man meinen. Aber die Hartnäckigkeit der Laubsammler sollte man nicht unterschätzen. Wir schreiben das Jahr 2019 und die Fake Stammbäume erscheinen nun Plattform übergreifend. Mindestens drei Benutzer hatten bei Ancestry den Fake neu eröffnet. Mindestens einer davon ist auch bei MyHeritage vertreten.

Joannes Altvatter erlernte das Handwerk eines Schmieds. Leider konnte er dieses Handwerk in seiner Heimatregion nicht ausüben. Für einen zusätzliche Schmied war kein Platz mehr und er erhielt keine Erlaubnis von seiner Grundherrschaft, sich als solcher zu betätigen. Es blieb ihm nur, sich in einer anderen Grundherrschaft nieder zu lassen.

Ich vermute, dass es keinerlei Stellenauschreibung für die berufliche Entwicklung unseres Schmiedkandidaten gegeben hat. Sagen wir mal, der Buschfunk hat ihm zugetragen, das in Kettershausen, in der gräflich Fuggerschen Herrschaft, die Witwe eines Schmiedes einen Nachfolger im Handwerk suchte. Außerdem sollte die Versorgung ihrer noch minderjährigen Kinder sicher gestellt werden. Der nächste Schritt war die Vereinbarung eines Ehekontraktes. Zwei Wochen später wurde dann geheiratet.

Pech für die gutgläubigen Laubsammler war dann, dass Joannes kein einziges eigenes Kind gezeugt hat und seine Linie ist somit ausgestorben. Möglicherweise war er nicht zeugungsfähig. Dagegen hatte seine Frau bereits in ihrer ersten Ehe unter Beweis gestellt, dass sie Kinder gebären konnte. Aus dieser ersten Ehe mit Frantz Bißle folgten sieben Kinder in gleichmäßigen Abständen zwischen 1707 und 1717.

Glaubt mir einfach, meine Cousine und ich sind die einzigen Experten für die Altvater in Oberschwaben, die es auf unserem schönen blauen Planeten gibt. Euren Johann „John“ Frederick solltet ihr nicht im katholischen Süden Deutschlands suchen, sondern im protestantischen Preussen.

Augenrollende Grüße von Micha


Green Leaves!

Or just windfall?

Joannes Altvatter was born on 30 May 1691 in Hirschbronn as the son of Martin Altvatter and Maria Eppin. There is a special reason why Joannes Altvatter is described in detail here. He is part of my publicly accessible and shortened family tree on the commercial portal of Ancestry.

Ancestry informs us by means of hints in the form of a green leaf if a similar person appears in other pedigrees. This is what Ancestry calls a „match“, which can be translated in German as „Übereinstimmung“. The term „match“ is very broad and does not even require the match of the life data of a matched person. This is certainly an advantage for Ancestry’s marketing because the more „matches“ are displayed, the better customer loyalty is likely to be.

After all, the green leaves in 2017 informed me that someone had written crap about the life of Joannes Altvatter. And this crap now spreads worldwide in the two largest portals for ancestor researchers of this planet. One can call the name of the second portal, MyHeritage, without further ado. It is of course not the responsibility of the operators to ensure correct data. Every user should critically check the green foliage against the background of the goals of a company with the intention of making a profit.

To be more precise, the green leaflet drew my attention to a user of Ancestry who attributed to Joannes a son named Johann „John“ Frederick Altvater. This John was apparently born around 1720 in Berlin (Germany) and died around 1800 in Berlin (Pennsylvania, USA). A friendly letter with the hint that this was quite unlikely remained without reaction. About two weeks later, other users had adopted this fake family tree.

After researching the facts described below, I drew up a document and deposited it as a source for my Joannes to read. Then the fake branch disappeared without any comment. One might think that the target was reached. But the persistence of the leaf collectors should not be underestimated. We are writing the year 2019 and the fake pedigrees now appear across platforms. At least three users had reopened the fake at Ancestry. And at least one of them is also represented at MyHeritage.

Joannes Altvatter learned the craft of a blacksmith. Unfortunately he was not able to practise this craft in his home region. There was no more room for an additional blacksmith and he received no permission from his lordship to act as such. All he could do was to settle in another lordship.

I suspect that there was no job advertisement for the professional development of our forging candidate. Let’s say rumours told him that the widow of a blacksmith was looking for a successor in the trade in Kettershausen, in the dominion of of the counts of Fugger. In addition, the care of her underage children was to be ensured. The next step was the agreement of a marriage contract. Two weeks later they were married.

Bad luck for the bona fide leaf collectors was that Joannes didn’t have a single child of his own and his line became extinct. Perhaps he was not capable of procreation. In contrast, his wife had already proved in her first marriage that she could give birth to children. Seven children followed from this first marriage with Frantz Bißle at regular intervals between 1707 and 1717.

Just believe me, my cousin and I are the only experts for the Altvaters in Upper Swabia who exist on our beautiful blue planet. You should not look for your Johann „John“ Frederick in the Catholic south of Germany, but in Protestant Prussia.

Greeting with rolling eyes, Micha

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