350 Jahre Altvater in Oberschwaben

Früher, als die Wikipedia noch nicht jedermanns tägliches Nachschlagewerk war, zählte man dort die Artikel und nannte schöne runde Summen Meilensteine. Um die Zeit, als es etwa 60.000 Artikel in der deutschen Wikipedia geworden waren, habe ich mich dort angemeldet und hier und da einen Schreibfehler verbessert oder ein Komma gesetzt. So eine Jubelzahl möchte ich heute für die Ahnenforschung vermelden.

Die Überschrift dieses Artikel legt es schon nahe, aber bevor ich in Jubel ausbreche, müsst ihr noch einige Präliminarien ertragen. Vor einigen Jahren, zu Beginn meiner Forschungsarbeit, veröffentlichte ich meinen kleinen Stammbaum bei Geneanet und bei Ancestry. Darin enthalten war ein vermeidbarer Anfängerfehler. Ich hatte bei einem relativ seltenen Nachnamen angenommen, dass eine Maria zu meinen Vorfahren gezählt werden durfte.  Wenn man sich nun die Häufigkeit des Vornamens Maria im Verhältnis zur Gesamtanzahl der enthaltenen Personen in meinem Stammbaum anschaut, erscheint das in der Nachschau recht mutig.

Als ich den Fehler bemerkt hatte, beeilte ich mich, die falschen Daten aus den veröffentlichten Stammbäumen zu entfernen. Ich denke, das ist mir restlos gelungen. Allerdings hat mich dieses Erlebnis so frustriert, dass ich beinahe die Klamotten hingeschmissen habe.

Glücklicherweise meldete sich vor etwas über einem Jahr auf Geneanet eine Forscherin vom Bodensee bei mir. Wir tauschten uns aus und stellten fest, dass wir eine gemeinsame Wurzel beim Familiennamen Altvater im 18. Jahrhundert teilen und dass wir an der gleiche Stelle hängen. Dies war der Grund meiner neuen Motivation und der Beginn einer gedeihlichen Zusammenarbeit.

Zunächst fand sie heraus, wo unser letzter gemeinsamer Vorfahr her kam und ich stürzte mich darauf hin ins Diözesanarchiv in Rottenburg. Ich war überrascht, wie viele Altvater, nun in der Schreibweise Altvatter, es in dem relativ kleinen Ort gab und sammelte alles, was mir im Rahmen eines einzelnen Archivbesuchs in die Finger kam. Bei der Auswertung zu Hause schien aber nichts so richtig zusammen zu passen. Natürlich mussten die alle miteinander verwandt sein, aber die direkte Linie der Vorfahren schälte sich nur sehr unscharf heraus.

Während ich mich mit neuer Motivation mit der Korrektur des Anfängerfehlers beschäftigte und mich dazu ins damalige bayrische Ausland aufmachte, erweiterte meine Mitforscherin die Suche nach Altvatter. Sie fand Dokumente, die die direkte Vorfahrenlinie bis in das Jahr 1657 zurück verfolgen. Im geschichtlichen Zusammenhang befinden wir uns nun knapp eine Dekade nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und damit in einem von Krieg und Seuchen entvölkerten Landstrich.

Für viele oberschwäbischen Gemeinden gilt nun auch, dass wir so langsam an die Grenzen der Aufzeichnungen in den Kirchenbücher kommen. Noch weitere 50 Jahre zurück und wir verlassen die Ära dieser Personenstandsanzeigen vollständig. Logisch würden die Aufzeichnungen des Klosters Ochsenhausen folgen. Die näheren Umstände im Rahmen der Säkularisation lassen mich im Augenblick nichts Gutes erwarten. In der Wikipedia wird der Sachverhalt ziemlich neutral beschrieben, bei Ochsenhausen.net werden pointiertere Worte verwendet.

Wie dem auch sei, 350 Jahre Altvater in Oberschwaben ist ein ordentliches Stück im Zeitablauf. Auf der Ahnenforschungsseite ist das bildhafte Ergebnis der Recherchen, beginnend mit meinem Urgroßvater, zu sehen. Vorhandene Pfeile blättern jeweils eine Generation vor oder zurück.

Mit langfristigen Grüßen euer Micha

13. Juli 2014 von Micha Altvater
Kategorien: Ahnen- und Familienforschung | Schreibe einen Kommentar

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