EOS 70D und Video

Jetzt hat sie diese Funktion nun mal, die EOS. Es war für mich nicht kaufentscheidend, aber ich nutzte sie gelegentlich. Erste Versuche freihand oder auf dem Stativ mit Kugelkopf gingen gründlich schief. Es gibt aber in der Natur Sachen, da sollte die Kamera möglichst stabil auf einen Punkt ausgerichtet werden.

In diesem Frühjahr ergab sich die Chance, junge Wanderfalken zu beobachten wie sie von den Alttieren gefüttert werden. Es mussten ledglich etwa 150 bis 200 m vom Aufnahmestandort zum Nistkasten in der Felswand überbrückt werden. Das ist für übliche Optiken der Fotoamateure ganz schön viel und mit einem 200er Tele wären die Vögel nicht gerade imposant anzuschauen.

In meinem Besitz befindet sich eine Optik mit 420 mm Brennweite, die eigentlich für die Astrofotografie angeboten wird. Das ist auch noch nicht überzeugend und ich zog das Bedienerhandbuch der EOS zu Rate. Dort stand im Thema Video etwas von Digitalzoom. Jeder ernsthafte Fotograf sagt bei Digitalzoom pfui, aber wir haben es hier selbst bei Full HD mit einer gegenüber dem Kamerachip eher begrenzten Auflösung zu tun.

Full HD mißt 1920 Pixel in der Breite und damit wesentlich weniger, als der Kamerachip breit ist. Der hat nämlich 5472 Pixel an seiner längeren Seite. Canon gibt nun einen Digitalzoom von 3 bis 10 fach an. Vermutlich hat Canon am unteren Ende der Skala auf den nächsten ganzzahligen Wert aufgerundet, denn wenn ich 5472 durch 1920 teile komme ich auf den Faktor 2,85. Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass Canon die inneren 1920 x 1080 Pixel des Kamerachips mit dem kleinen Faktor belichtet und damit ohne Interpolation noch die höchste Qualität beim Video erzielt. So habe ich wenigstens die Bedienungsanleitung verstanden. Alle höheren Zoomfaktoren gehen mit Qualitätsverlust einher.

Arithmetik mit Crop-Faktoren sind eigentlich Unsinn, da 420 mm Brennweite immer 420 mm Brennweite bleiben. Aber da vermutlich die meisten Fotoamateure mit APS-C Sensoren fotografieren, sei mir ausnahmsweise gestattet, für so einen Chip die Rechnung mit dem Digitalzoom aufzumachen. Normalerweise nimmt die Kamera bei ausgeschaltetem Digitalzoom ein Video unter Nutzung aller Pixel des Chips auf. Zoom haben wir dann ausschließlich optisch über das verwendete Objektiv. Wenn wir nun lediglich die inneren 1920 x 1080 Pixel des Chips nutzen, nutzen wir einen digitalen Zoom mit dem Faktor 2,85 und erhöhen unsere Brennweite scheinbar von 420  mm auf 1197 mm.

Damit genug der Vorrede. Voll bepackt mit Kameratasche, schwerem Vermessungsstativ, schweren azimutalen Stativkopf zum Ausrichtenen des Aufnahmeoptik und dem apochromatischen Fernrohr mit 420 mm Brennweite ging es vom Wanderparkplatz etwa einen halben Kilometer durch den Wald, bevor ich an meinem Ziel angelangt war.

Nachdem die ganze Gerätschaft aufgebaut war konnte ich viele Dutzend kurze Szenen aufnehmen, deren interessanteste ich dann zu einem Filmchen zusammen schnitt. Der endgültige Film dauert knapp drei Minuten. Erwähnenswert ist meines Erachtens die Szene, die ab der 31. Sekunde beginnt. Hier fällt anscheinend ein unbekanntes Flugobjekt dem Wanderfalken fast auf den Kopf. In der folgenden verlangsamten Einstellung ist ein im Sturzflug ankommender Eichelhäher zu erkennen. Für den war der Falke wohl eine Störenfried.

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Denn fertig geschnittenen Film habe ich bei Youtube hochgeladen. Allerdings verwendet Youtube einige Kompressionsverfahren an, die eine deutliche Qualitätsminderung gegenüber dem Ausgangsmaterial bedeutet. Damit jeder sich den Film auf einen USB-Stick ziehen und diesen dann in sein Full HD Fernsehgerät einstecken kann, gibts hier noch den Link zu meiner Dropbox. Es sei darauf hingewiesen, dass ihr euch für knapp drei Minuten Film einen 124 MB großen Download antut. Wie oben vermerkt habe ich den Film unter einer cc-Lizenz frei gegeben.

Seid mir bitte nicht böse, aber den Standort des Nistkastens werde ich nicht verraten. Ich möchte gerne im kommenden Frühjahr wieder dort stehen, ohne einen großen Bahnhof befürchten zu müssen. Vielleicht mit noch mehr optischer Power, zum Beispiel mit noch längerer Brennweite und etwas höherem Standort, damit ich besser in die Wohnstube der Falken reinschauen kann.

Es grüßt der Regisseur, Kameramann, Produzent …
Micha

20. September 2014 von Micha Altvater
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