Erwin Karl Xaverius Beitel

Im Familienregister Isny für meinen Großvater Josef Beitel ist sein jüngster Sohn Erwin, geboren 1932 und verstorben 1953, erwähnt. Er ist somit mein Onkel, aber ich habe ihn nie kennen gelernt, da er schon vor meiner Geburt verstarb. Die Familie erzählte, er sei zur Fremdenlegion gegangen, weshalb wisse man nicht und man rätselte herum, was er wohl ausgefressen haben müsse, bei solch einem drastischen Schritt. Eines schönen Tages jedenfalls kam seine Todesnachricht aus Frankreich, zusammen mit seinen wenigen Habseligkeiten. Ich erinnere mich, dass eine Armbanduhr dabei gewesen sein soll.

Das Familienregister vermerkt sein Todesdatum am 20. Oktober 1953 in Ban Pho, Laos. Bei der Suche mit Google Maps und Google Earth kam zu Tage, dass dieser Ortsname in Laos mehrfach existiert. Nun denn, ich suchte eine Emailadresse der Fremdenlegion, die mir geeignet erschien, meine Fragen zu den näheren Umständen seines Eintritts in die Legion und zu seinem Tod zu beantworten. Diese Nachricht verfasste ich etwa im Jahr 2007. Leider erhielt ich keine Antwort. Vielleicht weil ich auf englisch schrieb?

Auch im Jahr 2007 gab es Internetseiten, die sich mit dem französischen Indochinakrieg befassten. Leider fand ich damals keine weiter führenden Informationen. Eine französisch Website förderte eine Flashanwendung des Mémorial des Guerres en Indochine, das in Fréjus errichtet wurde, zu Tage, mit der ich die Platte sozusagen heranzoomen konnte, auf der Erwin Beitel mit vielen anderen Namen verewigt wurde. Diese Seite gibt es heute leider nicht mehr.

Am Sonntag , den 6. April 2014, suchte ich neuerlich im Web nach Informationen zum Indochinakrieg. Ich stieß auf die Seite more-majorum.de, die ich bereits früher besuchte und die wesentlich erweitert wurde. Mit Erwins bekannten Todestag und der Angabe Laos suchte ich direkt in den Beschreibungen der einzelnen Einheiten der Fremdenlegion nach Hinweisen. Ich hatte Glück, beim 2° Bataillon du 3° Régiment Étranger d’Infanterie, abgekürzt II/3° R.E.I., war er namentlich erwähnt, gefallen am 20. Oktober 1953 in Ban Pho. Das Regiment operierte von Pak Seng aus und eine Operation östlich davon wurde erwähnt. Ban Pho ist von Pak Seng aus etwa 12 km östlich. Die Orte liegen im Distrikt Pak Seng in der laotischen Provinz Louang Prabang. Die gleichnamige heutige Provinzhauptstadt Louang Prabang war damals Hauptstadt des französischen Protektorats Laos.

Die Linkliste von more-majorum.de erwähnt auch eine Seite des französischen Verteidigungsministeriums, bei der man nach Personen suchen kann, die im Einsatz getötet wurden (http://www.memoiredeshommes.sga.defense.gouv.fr/). Die Seite kann man auch auf deutsch umstellen, was zumindest mir die Sache erleichterte. Aus dem Suchergebnis habe ich ein pdf erstellt und besitze nun etwas „Offizielles“ über Onkel Erwin. Zusätzlich zum bisher Bekanntem erhielt ich die Matricule 84451, das ist seine Registrierungsnummer, unter der sein Eintritt in die Legion geführt wurde. Der Seitenbetreiber von more-majorum.de schätzt das Eintrittsdatum von Erwin anhand dieser Matricule auf etwa Juli 1951.

Erwin ist übrigens ertrunken, so steht es jedenfalls in der Ergebnisseite meiner Suche bei der französischen Regierung. Ban Pho liegt am Fluß Nam Seng, der dort etwa bis 30 m breit ist. Sonst gibt es dort kein Gewässer, in dem man hätte ertrinken können. Von Erwin gibt es aus dieser Zeit nur ein einziges Foto, das einen hageren jungen Mann mit tief liegenden Augen im Kreise zweier Kameraden zeigt. Es wurde am 2. Januar 1953 aufgenommen, da war das Regiment bei Phu Ly stationiert. Der Ort liegt in Norden von Vietnam am südlichen Rand des Flußdeltas des Roten Flusses, der in den Golf von Tonkin mündet.

Es grüßt euch euer Micha

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